Auf einen Blick
- Lage
- Zentrum von Kerbela, ca. 100 km südwestlich von Bagdad
- Kern des Baus
- Kuppel von Adud ad-Daula, um 977–982
- Goldene Kuppel
- Ca. 27 m hoch, vergoldet in den 1790er-Jahren
- Zeitbedarf
- 2–3 Stunden inkl. al-Abbas-Schrein
- Beste Reisezeit
- Oktober bis April, besonders abends
Wer den Imam-Hussein-Schrein in Kerbela zum ersten Mal sieht, vergisst diesen Moment so schnell nicht. Über den Dächern der Stadt erhebt sich eine goldene Kuppel, eingerahmt von zwei vergoldeten Minaretten, und vom frühen Morgen bis weit nach Mitternacht strömen Besucher durch die Tore. Wenn Sie Kerbela im Irak besichtigen möchten, erfahren Sie in diesem Reiseführer alles über die Geschichte des Heiligtums, die Highlights im Inneren, die Anreise von Bagdad und die Etikette, mit der Ihr Besuch entspannt und respektvoll verläuft.
Für schiitische Muslime gehört der Schrein zu den heiligsten Orten der Welt: Hier ruht Imam Hussein ibn Ali (Friede sei mit ihm), Enkel des Propheten Muhammad und Sohn von Imam Ali und Fatima az-Zahra. Für Reisende jeden Glaubens ist er zugleich ein herausragendes Bauwerk islamischer Architektur und das Herz einer Stadt, die buchstäblich um ein einziges Grab herum entstanden ist.
Wo liegt der Imam-Hussein-Schrein?
Das Heiligtum steht im Zentrum von Kerbela (auch Karbala geschrieben), einer Stadt am Rand der Wüste westlich des Euphrat, rund 100 km südwestlich von Bagdad. Mit dem Auto dauert die Fahrt meist eineinhalb bis zwei Stunden, je nach Verkehr und Kontrollpunkten. Nadschaf liegt etwa 80 km weiter südlich, die Ruinen von Babylon nur eine kurze Fahrt östlich – Kerbela ist damit ein zentraler Halt auf der klassischen Kulturroute durch den Irak.
Einige Hundert Meter nordöstlich glänzt eine zweite goldene Kuppel: der Schrein von al-Abbas, dem Halbbruder Imam Husseins. Die breite Fußgängerpromenade zwischen beiden Heiligtümern heißt Bayn al-Haramayn – „zwischen den beiden Heiligtümern“ – und der Spaziergang dort gehört zu den eindrucksvollsten Momenten einer Irak-Reise.
Die Geschichte des Heiligtums
Kerbela im Jahr 680
Im Jahr 61 der Hidschra (680 n. Chr.) brach Imam Hussein mit Angehörigen seiner Familie und einer kleinen Gruppe von Gefährten von Medina in Richtung Kufa auf. In der Ebene von Kerbela am Euphrat stellte sich ihnen ein weit überlegenes Heer entgegen. Am zehnten Tag des Monats Muharram, dem Aschura-Tag, fielen der Imam und seine Gefährten. Für Muslime, vor allem für Schiiten, wurde seine Standhaftigkeit zu einem zeitlosen Symbol für Prinzipientreue, Opferbereitschaft und den Widerstand gegen Ungerechtigkeit. Er wurde dort bestattet, wo er gefallen war, und der Ort zog bald Pilger an.
Die ersten Bauten
Der Überlieferung nach war der erste Bau über dem Grab ein schlichtes Gebäude aus Ziegeln und Gips, errichtet von Angehörigen des Stammes Banu Asad oder zur Zeit von al-Mukhtar ath-Thaqafi, wenige Jahre nach den Ereignissen. Unter den frühen Abbasiden kamen eine Kuppel und Tore hinzu, und in den folgenden Jahrhunderten wurde das Heiligtum mehrfach neu gebaut und erweitert.
Von den Buyiden bis zu den Kadscharen
Eine entscheidende Bauphase folgte Ende des 10. Jahrhunderts: Der buyidische Herrscher Adud ad-Daula ließ etwa zwischen 977 und 982 umfangreiche Arbeiten ausführen. Die Kuppel, die er über dem Grab errichtete, bildet bis heute den Kern des Heiligtums. Im 14. Jahrhundert vollendeten die Dschalairiden den Goldenen Iwan, die große offene Halle zum Hof hin. Später stifteten die Safawiden ein neues Gitter um das Grab und einen geschnitzten Holzsarkophag.
Seinen goldenen Glanz verdankt Kerbela vor allem der Kadscharen-Zeit. In den 1790er-Jahren ließ Agha Mohammad Khan die Kuppel neu errichten und vergolden, sein Nachfolger Fath Ali Schah gab ein neues Grabgitter in Auftrag. Danach wurden Iwan und Minarette vergoldet, und die Kuppel erhielt in späteren Generationen mehrmals eine neue Vergoldung.
Was es im Heiligtum zu sehen gibt
Goldene Kuppel und Minarette
Die Außenkuppel ist rund 27 Meter hoch und vollständig mit Gold verkleidet; an ihrem Fuß sitzt ein Kranz aus zwölf Fenstern. Zusammen mit den beiden vergoldeten Minaretten leuchtet sie am späten Nachmittag warm bernsteinfarben und strahlt nachts im Scheinwerferlicht – der Moment, auf den Fotografen warten.
Hof und Tore
Eine Mauer mit zehn Toren umschließt das Heiligtum; ihre Holztüren sind mit Glas und Fliesen geschmückt. Dahinter öffnet sich ein weiter Hof, umgeben von zweigeschossigen Arkaden, in deren Räumen jahrhundertelang Studenten und Gelehrte wohnten. Das bekannteste Tor ist das Qibla-Tor, auch Goldenes Tor (Bab adh-Dhahab) genannt. Werfen Sie einen Blick auf die Fliesenfelder über den Bögen: tiefes Blau, Türkis und Safrangelb, mit Koranversen und Pflanzenornamenten, die je nach Licht ihre Wirkung verändern.
Das Sanktuarium und der Zarih
Im Inneren funkeln Wände und Decken mit Spiegelmosaiken, die das Licht der Kronleuchter vervielfachen. Das Grab selbst umgibt ein Zarih, ein kunstvolles Gitter aus Silber und Gold. Das heutige wurde in Ghom aus Gold, Silber, Kupfer, Messing und Teakholz gefertigt und nach jahrelanger Arbeit von Kunsthandwerkern 2013 eingeweiht.
Wer neben dem Imam ruht
Imam Hussein ruht nicht allein. Der Überlieferung nach ist sein Sohn Ali al-Akbar zu seinen Füßen bestattet, und die mit ihm gefallenen Gefährten liegen gemeinsam in der Nähe innerhalb des Heiligtums. Nahe dem Eingang befindet sich das Grab von Habib ibn Mazahir al-Asadi, einem betagten Gefährten des Imams, den die Besucher besonders verehren.
Bayn al-Haramayn und der Schrein von al-Abbas
Durch die nordöstlichen Tore gelangen Sie auf Bayn al-Haramayn, die offene, gepflasterte Promenade zum Schrein von al-Abbas ibn Ali. Al-Abbas war Halbbruder und Fahnenträger Imam Husseins und gilt als Inbegriff von Treue und Mut. Ein langsamer Spaziergang zwischen den beiden goldenen Kuppeln, besonders abends, wenn die Lichter angehen und Familien flanieren, gehört zu den schönsten Erlebnissen im Irak. Planen Sie Zeit für beide Heiligtümer ein – sie bilden eine gemeinsame spirituelle Landschaft.
Anreise: von Bagdad nach Kerbela
Die meisten Reisenden fahren von Bagdad aus auf der Straße nach Kerbela. Am bequemsten ist ein privates Auto mit Fahrer: So lässt sich Kerbela am selben Tag mit Babylon verbinden oder die Fahrt nach Nadschaf fortsetzen. Wer im Süden startet, kann den internationalen Flughafen Nadschaf nutzen, etwa eineinhalb Autostunden entfernt. Rund um die Heiligtümer sind die Straßen weitgehend Fußgängerzone, das letzte Stück gehen Sie also zu Fuß durch belebte Marktgassen – was durchaus seinen Reiz hat.
Beste Reisezeit
Am angenehmsten sind die Monate Oktober bis April mit warmen Tagen und milden Abenden. Im Sommer ist es sehr heiß; planen Sie den Besuch dann am frühen Morgen oder nach Sonnenuntergang. Zu jeder Jahreszeit sind die Stunde vor Sonnenuntergang und der Abend am schönsten: Das Gold wird weich, die Höfe füllen sich mit Familien, und es kehrt eine ruhige Stimmung ein.
Kerbela erlebt einige der größten religiösen Versammlungen der Welt, vor allem im Monat Muharram und zu Arbain, vierzig Tage nach Aschura, wenn Millionen Pilger kommen – viele zu Fuß aus Nadschaf und anderen Städten. Diese Tage mitzuerleben ist sehr bewegend, die Stadt ist dann aber extrem voll. Wer es ruhiger mag, sollte vor der Terminwahl mit dem Guide über den Kalender sprechen.
Praktische Tipps und Etikette
- Kleidung: Männer tragen lange Hosen und lange Ärmel; Frauen bedecken das Haar und tragen eine lange, weite Abaya. Ihr Guide hilft Ihnen, eine zu besorgen.
- Schuhe: werden an den Schuhabgaben bei den Toren abgegeben und beim Verlassen mit einer Marke wieder abgeholt.
- Sicherheitskontrollen: Taschen werden an den Zugängen zum Schreinbereich kontrolliert. Reisen Sie mit leichtem Gepäck und lassen Sie große Taschen im Auto oder Hotel.
- Fotografieren: Regeln können sich ändern; im Hof und auf Bayn al-Haramayn ist das Handy meist erlaubt. Fragen Sie aber immer, bevor Sie Menschen fotografieren, und seien Sie im Sanktuarium zurückhaltend.
- Nichtmuslimische Besucher: Respektvolle Gäste sind in den Höfen willkommen; mit einem lokalen Guide sind Eingänge und Bräuche leichter zu meistern.
- Visum und Einreise: Die Bestimmungen ändern sich von Zeit zu Zeit – prüfen Sie vor der Reise die aktuellen Regeln für Ihre Staatsangehörigkeit.
„Mit meinen Gästen komme ich am liebsten am späten Nachmittag nach Kerbela. Zuerst besuchen wir den Schrein von Imam Hussein, dann gehen wir über Bayn al-Haramayn zu al-Abbas – genau dann, wenn die Lichter angehen. Viele sagen mir danach, dass dieser kurze Weg ihre schönste Erinnerung an den Irak ist.“ — Saif
Kerbela auf Ihrer Irak-Rundreise
Kerbela passt ideal in eine Reise durch den Zentralirak. Auf unserer 7-tägigen Irak-Kulturreise liegt es zwischen den Ruinen des antiken Babylon und der goldenen Kuppel des Imam-Ali-Schreins in Nadschaf, ergänzt um Kufa. Wer mehr Zeit im Süden möchte, wählt die 9-tägige Route weiter nach Ur, in die Marschen und nach Basra.
Ob Sie als Pilger, als Geschichtsliebhaber oder einfach aus Neugier kommen: Ein Abend zwischen den beiden goldenen Heiligtümern von Kerbela bleibt lange in Erinnerung – weit über das Ende Ihrer Reise hinaus.
Häufige Fragen
Wie weit ist Kerbela von Bagdad entfernt?
Rund 100 km südwestlich. Mit dem Auto dauert die Fahrt meist eineinhalb bis zwei Stunden.
Dürfen Nichtmuslime den Imam-Hussein-Schrein besuchen?
Respektvolle Besucher sind in den Höfen willkommen. Kleiden Sie sich dezent und kommen Sie mit einem lokalen Guide, der Bräuche erklärt und an den Eingängen hilft.
Was zieht man zum Besuch des Schreins an?
Männer tragen lange Hosen und lange Ärmel. Frauen bedecken das Haar und tragen eine lange, weite Abaya; der Guide hilft beim Besorgen.
Was ist Bayn al-Haramayn?
Die breite Fußgängerpromenade zwischen dem Imam-Hussein-Schrein und dem Schrein von al-Abbas. Ein Spaziergang dort in der Dämmerung ist ein Höhepunkt in Kerbela.
Wann ist die beste Reisezeit für Kerbela?
Oktober bis April. Zu Muharram und Arbain ist es extrem voll – wer es ruhig mag, klärt den Kalender vorab mit dem Guide.
Lässt sich Kerbela mit Nadschaf und Babylon kombinieren?
Ja. Nadschaf liegt etwa 80 km südlich, Babylon nur eine kurze Fahrt östlich; alle drei werden oft auf einer Kulturreise besucht.