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Heilige Stätten · Provinz Nadschaf

Der Imam-Ali-Schrein in Nadschaf: Geschichte, Highlights und Besuchstipps

Goldene Kuppel, Uhrtor und großer Innenhof: Geschichte, Verhaltensregeln und die Anreise von Bagdad nach Nadschaf.

Von Saif Al-Tamimi, Reiseleiter bei Fable Tour6 Min. Lesezeit
Goldene Kuppeln und Minarette des Imam-Ali-Schreins in Nadschaf, Irak

Auf einen Blick

Lage
Zentrum von Nadschaf, ca. 160 km südlich von Bagdad
Erster Bau
Um 786, unter Harun ar-Raschid
Goldene Kuppel
1743 unter Nader Schah vergoldet
Zeitbedarf
1,5–2 Stunden, dazu der alte Basar
Beste Reisezeit
Oktober bis April, vor allem abends

Kaum ein Ort im Irak hinterlässt einen so tiefen Eindruck wie der Imam-Ali-Schrein in Nadschaf (auch Najaf geschrieben). Seine goldene Kuppel und die beiden vergoldeten Minarette leuchten weit über die Altstadt hinaus, und in den Höfen sind Tag und Nacht Pilger aus dem ganzen Irak und aus aller Welt unterwegs. Wer Nadschaf im Irak besichtigen möchte, findet in diesem Reiseführer die Geschichte des Heiligtums, die Highlights der Anlage, die Anreise von Bagdad und die wichtigsten Verhaltensregeln.

Für schiitische Muslime gehört der Schrein zu den heiligsten Orten der Welt: Hier ruht Imam Ali ibn Abi Talib (Friede sei mit ihm), Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed. Für Reisende jeder Herkunft ist er zugleich ein Meisterwerk islamischer Baukunst, an dem Abbasiden, Buyiden, Safawiden und spätere Stifter über mehr als tausend Jahre gebaut haben.

Wo liegt der Imam-Ali-Schrein?

Das Heiligtum steht im Zentrum von Nadschaf, einer Stadt am Rand der westlichen Wüste, rund 160 km südlich von Bagdad. Mit dem Auto braucht man meist zweieinhalb bis drei Stunden. Nadschaf hat außerdem einen eigenen internationalen Flughafen mit Verbindungen in mehrere Länder der Region.

Nur etwa 10 km entfernt liegt Kufa, die Stadt, die Imam Ali zu seiner Hauptstadt machte. Am Nordrand von Nadschaf erstreckt sich Wadi as-Salam, das „Tal des Friedens“, einer der größten Friedhöfe der Welt. Nadschaf und Kufa zusammen ergeben einen der eindrucksvollsten Tage jeder Kulturreise durch den Irak.

Die Geschichte des Heiligtums

Ein verborgenes Grab

Imam Ali wurde im Fastenmonat Ramadan beim Morgengebet in der Großen Moschee von Kufa schwer verwundet und starb wenige Tage später, im Jahr 40 der Hidschra (661 n. Chr.). Der Überlieferung nach begrub ihn seine Familie nachts und heimlich außerhalb der Stadt, um das Grab zu schützen. Über ein Jahrhundert lang kannten nur seine Nachkommen und ein kleiner Kreis von Vertrauten den Ort.

Die Gazelle des Harun ar-Raschid

Eine bekannte Erzählung berichtet, wie das Grab wiederentdeckt wurde: Der Abbasidenkalif Harun ar-Raschid – vielen aus „Tausendundeiner Nacht“ vertraut – jagte bei Kufa, als eine Gazelle auf einem kleinen Hügel Zuflucht suchte. Seine Hunde und Falken weigerten sich, ihr dorthin zu folgen. Auf seine Frage erfuhr er, dass hier Ali ibn Abi Talib begraben sei. Um 786 ließ er über dem Grab den ersten Bau errichten, ein schlichtes Gebäude mit Kuppel und vier Eingängen.

Buyiden, Safawiden und die goldene Kuppel

Im späten 10. Jahrhundert errichtete der Buyidenherrscher Adud ad-Daula einen weit prächtigeren Schrein, stiftete Mittel für die wachsende Stadt und ließ sich selbst in der Anlage bestatten. Der marokkanische Reisende Ibn Battuta, der 1327 hierherkam, beschrieb Seidenteppiche und Lampen aus Gold und Silber.

Seine heutige Gestalt erhielt der Schrein großenteils in der Safawidenzeit im 17. Jahrhundert, als der große Hof nach einem Entwurf angelegt wurde, der dem Gelehrten und Baumeister Scheich Baha'i zugeschrieben wird. 1743 ließ Nader Schah Kuppel und Minarette mit vergoldeten Kupferplatten verkleiden, anstelle der früheren blauen und grünen Fliesen – so entstand die goldene Silhouette, die heute das Wahrzeichen von Nadschaf ist.

Was man im Schrein sehen kann

Der große Innenhof

Der Schrein steht inmitten eines weiten Hofes, umrahmt von zwei Etagen spitzbogiger Arkaden mit blauen, türkisfarbenen und gelben Fliesen. In den kleinen Kammern hinter den Bögen wohnten früher die Studenten der theologischen Hochschule von Nadschaf, eines der ältesten Gelehrtenzentren der islamischen Welt. Abends, wenn die Lichter angehen und Familien auf Teppichen im Hof sitzen, herrscht eine ruhige, ganz besondere Stimmung.

Das Uhrtor und die übrigen Portale

Die meisten Besucher betreten die Anlage von Osten durch das Uhrtor mit seinem gefliesten Uhrturm. Uhr und Glocken wurden übrigens im englischen Manchester gefertigt und 1887 eingebaut. Weitere Tore tragen die Namen des Gelehrten Scheich at-Tusi und von Muslim ibn Aqil, einem Vetter Imam Husseins.

Der Goldene Iwan

An der Ostseite des Heiligtums, zum Hof hin, öffnet sich der Goldene Iwan: eine monumentale, vollständig vergoldete Bogenhalle, flankiert von den beiden goldenen Minaretten. Im 18. Jahrhundert wurden hier persische Verse zum Lob Imam Alis in Gold eingelegt.

Die Grabkammer

Im Inneren funkelt die Grabkammer im Licht der Kronleuchter, das von tausenden Spiegelmosaiksteinen zurückgeworfen wird. Das Grab selbst umgibt ein kunstvoll gearbeitetes Silbergitter, die Zarih, von indischen Kunsthandwerkern gefertigt und 1942 enthüllt. Nach schiitischer Überlieferung sind hier neben Imam Ali auch die Propheten Adam und Noah begraben.

Anreise: von Bagdad nach Nadschaf

Die meisten Reisenden fahren von Bagdad aus auf der Straße nach Nadschaf und verbinden die Strecke oft mit Babylon oder Kerbela. Am bequemsten ist ein privates Auto mit Fahrer: So kann man unterwegs anhalten und zur besten Tageszeit am Schrein ankommen. Beginnt die Reise im Süden, ist der Flughafen Nadschaf eine praktische Alternative. Vom Stadtzentrum geht man zu Fuß durch den alten überdachten Basar, der direkt zum Osttor führt.

Beste Reisezeit

Am angenehmsten sind die Monate Oktober bis April, wenn es tagsüber warm, aber nicht heiß ist. Im Sommer wird es in Nadschaf sehr heiß; dann besucht man den Schrein am besten früh morgens oder nach Sonnenuntergang. Besonders schön sind die Abende: Die Kuppel leuchtet im Scheinwerferlicht, und im Hof ist am meisten los.

An großen religiösen Gedenktagen kommen sehr viele Pilger. Das ist ein bewegendes Erlebnis – wer es ruhiger mag, sollte vor der Terminwahl den Kalender mit dem Reiseleiter abstimmen.

Praktische Tipps und Verhaltensregeln

  • Kleidung: Männer tragen lange Hosen und Ärmel; Frauen bedecken das Haar und tragen einen langen, weiten Umhang (Abaya). Der Reiseleiter hilft bei der Beschaffung.
  • Schuhe: Sie werden vor dem Hof in den Schuhaufbewahrungen an den Eingängen abgegeben und beim Hinausgehen gegen eine Marke zurückgegeben.
  • Kontrollen: An den Toren werden Taschen kontrolliert. Möglichst wenig mitnehmen, große Taschen im Auto oder Hotel lassen.
  • Fotografieren: Die Regeln können sich ändern; mit dem Handy darf man im Hof meist fotografieren, Menschen aber nur mit Erlaubnis – und in der Grabkammer zurückhaltend sein.
  • Nichtmuslimische Besucher: Respektvolle Gäste werden im Hof freundlich empfangen; mit einem einheimischen Guide ist alles einfacher.
  • Visum und Einreise: Die Bestimmungen ändern sich gelegentlich – bitte vor der Reise die aktuellen Regeln für Ihre Staatsangehörigkeit prüfen.
„Ich bringe meine Gäste am liebsten in der Stunde vor Sonnenuntergang zum Schrein. Das Gold wird im Abendlicht warm, dann gehen die Lampen an und der ganze Hof verwandelt sich. Danach gehen wir durch den alten Basar zum Tee – so spürt man Nadschaf am besten.“ — Saif

Nadschaf auf Ihrer Irak-Reise

Nadschaf passt ideal in eine Reise durch den Zentral- und Südirak. Auf unserer 7-tägigen Irak-Rundreise verbinden wir den Besuch mit Kufa und Kerbela, nach einem Tag in den Ruinen des antiken Babylon. Wer mehr Zeit für den Süden möchte, wählt das 9-Tage-Programm mit Basra, den Marschen und der Zikkurat von Ur.

Ob Glaube, Geschichte oder einfach Neugier Sie herführt – ein Abend im Hof des Imam-Ali-Schreins gehört zu den Momenten, die man lange nach der Rückkehr aus dem Irak nicht vergisst.

Häufige Fragen

Wie weit ist Nadschaf von Bagdad entfernt?

Rund 160 km südlich. Mit dem Auto dauert die Fahrt meist zweieinhalb bis drei Stunden.

Dürfen Nichtmuslime den Imam-Ali-Schrein besuchen?

Respektvolle Besucher werden im Hof freundlich empfangen. Dezente Kleidung und ein einheimischer Guide, der die Gepflogenheiten erklärt, machen den Besuch einfacher.

Welche Kleidung ist beim Besuch angemessen?

Männer tragen lange Hosen und Ärmel. Frauen bedecken das Haar und tragen eine lange, weite Abaya; der Guide hilft bei der Beschaffung.

Wer ist im Schrein begraben?

Imam Ali ibn Abi Talib, Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed. Nach schiitischer Überlieferung ruhen hier auch die Propheten Adam und Noah.

Wann ist die beste Reisezeit für Nadschaf?

Am angenehmsten ist es von Oktober bis April. Zu jeder Jahreszeit sind die Stunde vor Sonnenuntergang und der Abend die schönsten Momente im Hof.

Lässt sich Nadschaf mit Kufa und Kerbela verbinden?

Ja. Kufa liegt nur etwa 10 km entfernt, und Nadschaf, Kufa und Kerbela werden oft gemeinsam auf einer Rundreise besucht.

Saif Al-Tamimi — Fable Tour Iraq

Saif Al-Tamimi ist Reiseleiter aus Bagdad und Gründer von Fable Tour. Er begleitet Reisende aus aller Welt zu den archäologischen Stätten und Städten des Irak – auf Englisch, Russisch und Arabisch.

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