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Archäologische Stätten · Provinz Babil

Babylon im Irak besichtigen: Reiseführer zur Stadt Nebukadnezars

Vom Ischtar-Tor in Berlin zu seinen Fundamenten am Euphrat: was Sie in Babylon sehen, wie Sie hinkommen und wann Sie reisen.

Von Saif Al-Tamimi, Reiseleiter bei Fable Tour6 Min. Lesezeit
Ein Besucher geht zwischen den antiken Ziegelmauern von Babylon bei Hilla im Irak

Auf einen Blick

Lage
Provinz Babil, bei Hilla, ca. 85 km südlich von Bagdad
Blütezeit
Regierung Nebukadnezars II. (605–562 v. Chr.)
UNESCO
Welterbe seit 2019
Besuchsdauer
2–3 Stunden
Beste Reisezeit
Oktober bis April

Viele Deutsche haben Babylon schon gesehen, ohne je im Irak gewesen zu sein: Das blau glasierte Ischtar-Tor im Berliner Pergamonmuseum gehört zu den bekanntesten Museumsstücken des Landes. Weniger bekannt ist, dass man Babylon im Irak heute selbst besichtigen kann. Die Ruinen liegen nur etwa anderthalb Autostunden südlich von Bagdad, und dort stehen noch die originalen Fundamente des Tores, mit Stieren und Drachen, die vor mehr als 2.500 Jahren in die Ziegel modelliert wurden.

In diesem Reiseführer erkläre ich, was Sie in Babylon sehen sollten, wie Sie von Bagdad aus hinkommen, wie viel Zeit Sie einplanen sollten und wann die beste Reisezeit ist – mit den praktischen Tipps, die ich meinen Gästen vor Ort gebe.

Wo liegt Babylon?

Die Ruinen von Babylon liegen in der Provinz Babil im Zentralirak, am Ufer des Euphrat und direkt neben der heutigen Stadt Hilla. Von Bagdad sind es rund 85 Kilometer nach Süden, je nach Verkehr etwa eineinhalb Stunden mit dem Auto.

2019 hat die UNESCO Babylon in die Liste des Welterbes aufgenommen. Das Gelände ist weitläufig und offen: Originalmauern, Grabungsflächen und moderne Rekonstruktionen liegen hier direkt nebeneinander.

Die Geschichte Babylons in Kürze

Hammurabi und der erste Aufstieg

Schon zu Beginn des 2. Jahrtausends v. Chr. war Babylon eine bedeutende Stadt, zur großen Hauptstadt wurde es aber unter König Hammurabi im 18. Jahrhundert v. Chr. Berühmt ist er für seine Gesetzessammlung, eingemeißelt in eine Basaltstele, die heute im Louvre in Paris steht.

Nebukadnezar II. und das Babylon, das wir heute sehen

Seine glanzvollste Zeit erlebte Babylon über tausend Jahre später unter den neubabylonischen Königen, allen voran Nebukadnezar II. (Regierungszeit 605–562 v. Chr.). Auf ihn geht fast alles zurück, was Besucher heute sehen: die gewaltigen Stadtmauern, die Königspaläste, das Ischtar-Tor und die Prozessionsstraße. Viele Ziegel tragen bis heute Keilschrift-Stempel mit seinem Namen.

Perser, Alexander und der langsame Niedergang

539 v. Chr. ging die Stadt an den Perserkönig Kyros den Großen, und 323 v. Chr. starb Alexander der Große in Babylon, das er zu einer Hauptstadt seines Reiches machen wollte. Danach verlor die Stadt allmählich an Bedeutung, bis sie verlassen wurde und ihre Lehmziegelbauten wieder zu Erde zerfielen.

Sehenswürdigkeiten in Babylon

Das Ischtar-Tor – von Berlin zurück an den Euphrat

Das Ischtar-Tor war das prächtige Nordtor der Innenstadt und der Göttin Ischtar geweiht. Seinen spektakulärsten Teil mit den blau glasierten Ziegeln grub ein deutsches Team unter Robert Koldewey Anfang des 20. Jahrhunderts aus; die Ziegel wurden in Berlin zum heutigen Tor im Pergamonmuseum zusammengesetzt. Am Eingang des Geländes in Babylon steht ein verkleinerter moderner Nachbau, der eine Vorstellung von den Farben gibt.

Das eigentliche Highlight für alle, die Berlin kennen, liegt aber tiefer: Die originalen Fundamente des Tores sind noch an Ort und Stelle. Zwischen den Mauern sieht man Reihen unglasierter Ziegelreliefs mit Stieren und dem Mušḫuššu, dem Schlangendrachen des Gottes Marduk – genau dort, wo Nebukadnezars Handwerker sie einsetzten. Wer beide Orte gesehen hat, versteht die Geschichte des Tores erst ganz.

Die Prozessionsstraße

Vom Ischtar-Tor führte die Prozessionsstraße in die Stadt, über die beim Neujahrsfest Akitu die Götterstatuen getragen wurden. Ihre Wände waren mit glasierten Löwen geschmückt, dem Symbol der Ischtar – einige davon sind ebenfalls in Berlin zu sehen. In Babylon kann man heute einen Abschnitt der Straße entlanggehen und Reste des antiken Pflasters entdecken.

Der Löwe von Babylon

Das meistfotografierte Monument ist ein großer Basaltlöwe, der über einer menschlichen Figur steht. Datierung und Bedeutung sind unter Fachleuten umstritten, doch seit Jahrhunderten gilt er als Wahrzeichen Babylons und als eines der bekanntesten Bilder des Irak.

Der Südpalast Nebukadnezars

Der Königspalast mit Innenhöfen und Thronsaal wurde in den 1980er-Jahren auf den alten Fundamenten weitgehend wiederaufgebaut. Wer genau hinsieht, unterscheidet die antiken Ziegel, teils mit Inschriften, von den modernen. Nirgends wird die Größe der Stadt so greifbar wie hier.

Etemenanki, der „Turm zu Babel“

Südlich des Palastes stand Etemenanki, die große Zikkurat des Marduk, die viele Historiker mit der biblischen Erzählung vom Turmbau zu Babel verbinden. Erhalten ist nur der Umriss des Fundaments, in dem nach Regen oft Wasser steht. Zu sehen gibt es wenig, doch es lohnt sich, kurz innezuhalten und sich einen Turm vorzustellen, den antike Quellen auf rund 90 Meter Höhe schätzten.

Die Hängenden Gärten: Legende oder Wirklichkeit?

Die Hängenden Gärten zählen zu den Sieben Weltwundern der Antike, doch in Babylon wurde bisher kein sicherer archäologischer Nachweis gefunden. Manche Forscher vermuten sie in einer anderen Stadt, vielleicht in Ninive. Lokale Guides zeigen einige mögliche Standorte beim Palast – ein schönes Gesprächsthema, solange man weiß, dass die Frage offen ist.

Anreise: von Bagdad nach Babylon

Bequeme öffentliche Verkehrsmittel bis zum Gelände gibt es nicht. Am einfachsten ist ein privates Auto mit Fahrer oder eine organisierte Tour. Die Fahrt dauert rund eineinhalb Stunden; unterwegs passieren Sie mehrere im Irak übliche Kontrollpunkte, halten Sie also Ihren Reisepass griffbereit.

Mit einem lokalen Reiseleiter wird der Tag deutlich entspannter: Tickets, Route und Zeitplan sind organisiert, und Sie kommen zum besten Licht an.

Beste Reisezeit für Babylon

Ideal sind die Monate Oktober bis April mit milden, sonnigen Tagen. Von Juni bis September steigen die Temperaturen oft über 45 °C – wer im Sommer reist, sollte früh am Morgen da sein.

Für die Besichtigung sollten Sie zwei bis drei Stunden einplanen. Meist wird Babylon als Tagesausflug ab Bagdad besucht; danach geht es zurück in die Hauptstadt oder weiter in den Süden nach Kerbela und Nadschaf.

Praktische Tipps für Ihren Besuch

  • Eintritt: Tickets gibt es am Eingang. Preise können sich ändern, nehmen Sie genug Bargeld in Irakischen Dinar mit.
  • Kleidung: bequeme Schuhe, Kopfbedeckung und Wasser, auch im Frühling. Dezente Kleidung (Schultern und Knie bedeckt) wird geschätzt.
  • Fotografieren: in der Regel auf dem ganzen Gelände erlaubt. Für die Reliefs am Ischtar-Tor ist das Morgenlicht am schönsten.
  • Einreise: Die Einreise- und Visabestimmungen für den Irak ändern sich immer wieder. Prüfen Sie vor der Buchung die aktuellen offiziellen Informationen für Ihre Staatsangehörigkeit.
  • Mit Guide besichtigen: Infotafeln gibt es kaum, und ohne Erklärungen bleiben viele Details unentdeckt.

Babylon auf einer Irak-Reise

Babylon lässt sich ideal mit den anderen Höhepunkten im Zentral- und Südirak verbinden: den heiligen Städten Kerbela und Nadschaf, den sumerischen Städten Uruk und Ur sowie den Mesopotamischen Marschen. Auf unserer 7-tägigen Irak-Rundreise ist Babylon eine der ersten Stationen nach Bagdad – und oft der Moment, in dem Reisende verstehen, warum man den Irak die Wiege der Zivilisation nennt. Wer mehr Zeit hat, erlebt auf der 9-tägigen Reise zusätzlich den Norden.

Wenn ich mit einer Gruppe über die Prozessionsstraße gehe, bitte ich alle, einen originalen Ziegel zu berühren. Zu wissen, dass ihn jemand zur Zeit Nebukadnezars gesetzt hat, verändert den Blick auf die ganze Stadt. — Saif

Häufige Fragen

Wie weit ist Babylon von Bagdad entfernt?

Rund 85 Kilometer südlich. Die Fahrt dauert je nach Verkehr und Kontrollpunkten etwa eineinhalb Stunden.

Kann man Babylon als Tagesausflug von Bagdad besuchen?

Ja. Für das Gelände braucht man zwei bis drei Stunden, daher ist ein Tagesausflug ab Bagdad die übliche Variante.

Steht das echte Ischtar-Tor in Berlin oder in Babylon?

Der berühmte glasierte Teil wurde im Berliner Pergamonmuseum rekonstruiert. In Babylon stehen ein verkleinerter Nachbau und die originalen Fundamente mit Stier- und Drachenreliefs.

Gibt es die Hängenden Gärten noch?

Nein, und in Babylon wurde bisher kein sicherer archäologischer Nachweis gefunden. Manche Forscher vermuten sie in Ninive.

Wann ist die beste Reisezeit für Babylon?

Von Oktober bis April, wenn es mild ist. Im Sommer wird es oft über 45 °C heiß, dann besser früh morgens besuchen.

Brauche ich ein Visum für den Irak?

Die Einreisebestimmungen ändern sich immer wieder. Prüfen Sie vor der Buchung die aktuellen offiziellen Informationen für Ihre Staatsangehörigkeit.

Saif Al-Tamimi — Fable Tour Iraq

Saif Al-Tamimi ist Reiseleiter aus Bagdad und Gründer von Fable Tour. Er begleitet Reisende aus aller Welt zu den archäologischen Stätten und Städten des Irak – auf Englisch, Russisch und Arabisch.